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Die Nachricht kommt meistens ein paar Tage vor dem Shooting. Manchmal mit einem Lach-Smiley, manchmal mit drei Schwitz-Smileys: „Nur damit du vorgewarnt bist: Unser Sohn ist gerade in einer Phase. Der macht sicher nicht mit.“
Ich antworte dann immer dasselbe: „Wunderbar. Ich freu mich auf ihn.“
Und das meine ich ernst. Hier ist, warum.
Kinder sind keine Models. Zum Glück.
Ein Kind, das brav in die Kamera lächelt, ergibt ein nettes Foto. Ein Kind, das sich hinter Papas Bein versteckt, dann doch hervorlugt und plötzlich losprustet, weil ich mit einem Stofftier auf dem Kopf herumhopse – das ergibt ein Bild, das ihr in 20 Jahren noch aufhängt.
Die Bilder, die Eltern später am meisten lieben, sind fast nie die perfekten. Es sind die, auf denen man das Kind erkennt. Seinen Dickkopf. Seine Schüchternheit. Sein schiefes Grinsen, wenn es etwas ausgefressen hat.
Was ich mache, wenn „nichts geht“
Ich lasse das Kind zuerst in Ruhe. Die ersten Minuten fotografiere ich euch Eltern oder die Umgebung. Das Kind darf beobachten, sich verstecken, misstrauisch sein. Meistens wird es nach ein paar Minuten neugierig, was die komische Frau da mit der Kamera eigentlich macht.

Ich spiele mit. Fangen spielen, Seifenblasen, Blumen pflücken, Kitzelangriffe auf Papa, Steine in den Bach werfen. Die Kamera läuft dabei einfach mit. Kinder vergessen sie erstaunlich schnell, wenn es etwas Spannenderes gibt.
Ich gebe Aufgaben statt Anweisungen. „Schaust du mal, ob Mama kitzelig ist?“ funktioniert hundertmal besser als „Setz dich zu Mama und lächle.“
Ich mache Pausen. Ein Keks, ein Schluck Wasser, ein kurzer Wutanfall – alles erlaubt. Bei mir gibt es keinen Zeitplan, der wichtiger ist als euer Kind.
Was du als Mama (oder Papa) tun kannst
Und jetzt kommt der Teil, der dich vielleicht überrascht: Das Wichtigste ist, weniger zu tun.
- Bitte kein „Schau mal zur Sabrina und lächle!“ Ich weiß, es ist gut gemeint. Aber Kinder spüren sofort, wenn etwas von ihnen erwartet wird, und machen dann zuverlässig das Gegenteil. Überlass das Animieren mir.
- Keine Bestechung mit Ankündigung. „Wenn du brav bist, gibt’s nachher ein Eis“ verwandelt das Shooting in eine Prüfung. Das Eis darf es trotzdem geben. Nur als Überraschung danach.
- Plan rund ums Schläfchen. Ein ausgeschlafenes, sattes Kind ist ein entspanntes Kind. Erzähl mir, wann euer Kind müde wird, dann richten wir den Termin danach.
- Zieht bequeme Sachen an. Ein Kind, das im kratzigen Hemd steckt oder sich nicht dreckig machen darf, hat keine Lust. Kleidung, in der man rennen und sich ins Gras werfen kann, ist Gold wert.
- Entspann dich selbst. Das ist der wichtigste Punkt. Wenn du gestresst bist, spürt es dein Kind sofort. Wenn du lachst, lacht es irgendwann mit. Versprochen.
„Und wenn es wirklich die ganze Zeit weint?“
Dann gibt es Bilder von einem Kind, das getröstet wird. Von einer Mama, die ihr Kind im Arm hält. Von einem Papa, der es auf die Schultern nimmt und durch die Wiese trägt. Auch das ist eure Geschichte. Und ehrlich: Diese Bilder sind oft die berührendsten von allen.
Und manchmal braucht ein Kind einfach ein bisschen länger, um aufzutauen. Das ist völlig in Ordnung. Wir haben Zeit, und oft entstehen gerade dann, wenn niemand mehr damit rechnet, die schönsten Bilder des ganzen Tages.
Ein Wort zu Geschwistern beim Neugeborenen-Shooting
Große Geschwister finden ein Neugeborenen-Shooting nach etwa sieben Minuten unfassbar langweilig. Darum kommen sie bei mir gleich am Anfang dran, solange die Laune noch gut ist, und dürfen kurz der Star sein: ein paar Bilder mit dem Baby, ein paar mit der ganzen Familie, fertig. Danach dürfen sie mit Papa oder Oma spazieren gehen oder spielen, während das Baby in Ruhe weiterschläft. So bleibt die Stimmung gut – für alle.
Typische Situationen – und was dann wirklich hilft
Das Kind versteckt sich hinter Mamas Bein
Ganz normal. Ich bin eine fremde Frau mit einer großen schwarzen Kamera, da wäre ich als Dreijährige auch skeptisch. Ich fange dann einfach mit euch Eltern an und lasse euer Kind in Ruhe zuschauen. Meistens dauert es nicht lange, bis die Neugier siegt. Spätestens wenn Papa sich zum Affen macht, will niemand mehr hinter dem Bein bleiben.

Das Kind will nur rennen
Perfekt. Dann rennen wir. Ich bitte euch, gemeinsam auf mich zuzulaufen, Fangen zu spielen oder das Kind durch die Luft zu wirbeln. Bewegung bringt Leben ins Bild, und ein Kind, das lachend durch die Wiese stürmt, ist hundertmal schöner als eines, das brav und gequält auf einer Bank sitzt.
Das Kind hat Hunger, ist müde oder beides
Dann gibt es eine Pause mit Snack. Ich plane ungefähr zwei Stunden ein und schaue dabei nicht auf die Uhr. Zehn Minuten Brezel-Pause retten fast jedes Shooting. Und nein, ich bin nicht gestresst, wenn wir kurz unterbrechen. Ich bin es gewohnt.
Das Kind will die Kamera haben
Auch das kommt öfter vor, als man denkt. Manchmal darf es dann kurz durch den Sucher schauen oder ein Foto von Mama machen. Und plötzlich ist die Fotografin keine Fremde mehr, sondern eine Verbündete.
Das Kind ist ein Teenager und findet alles peinlich
Familienfotos sind nicht nur etwas für Kleinkinder. Mit Teenagern läuft es einfach anders: weniger Kitzeln, mehr Humor. Ich nehme sie ernst, frage sie nach ihrer Meinung und lasse ihnen ihren Freiraum. Oft sind genau die Teenager, die am Anfang die Augen verdrehen, am Ende diejenigen, die am lautesten lachen.
So bereitet ihr euer Kind am besten vor
- Erzählt vorher, was passiert. „Morgen machen wir einen Ausflug, und eine nette Frau macht Fotos von uns.“ Kinder mögen es, zu wissen, was auf sie zukommt.
- Sprecht nicht von „brav sein“. Das setzt unter Druck. Sagt lieber: „Wir spielen und haben Spaß.“
- Wählt die richtige Uhrzeit. Nach dem Mittagsschlaf, nicht kurz vor dem Essen. Rechnet damit, dass Kinder etwa eine halbe Stunde früher müde werden, als ihr denkt.
- Lasst euer Kind beim Outfit mitreden. Ein Kind, das sich im kratzigen Hemd unwohl fühlt, sieht auch so aus. Ein Lieblingspulli in passender Farbe ist besser als das schönste Outfit, das niemand tragen will.
- Snacks, die nicht kleckern. Brezeln statt Schokolade. Ihr werdet mir danken.
- Belohnung danach, nicht Drohung davor. „Nach den Fotos gehen wir Eis essen“ funktioniert besser als „Wenn du jetzt nicht mitmachst, …“.
Was du als Elternteil am Tag selbst loslassen darfst
Ich sehe es oft: Die Kinder sind eigentlich entspannt, aber Mama oder Papa sind angespannt, weil sie sich wünschen, dass alles perfekt wird. Kinder spüren das sofort. Deshalb meine liebste Bitte an alle Eltern: Lasst los. Ihr müsst nicht dafür sorgen, dass euer Kind in die Kamera schaut. Ihr müsst nicht korrigieren, wenn die Haare zerzaust sind. Ihr müsst euch nicht entschuldigen, wenn ein Kind schreit. Das ist mein Job. Euer Job ist nur, euch auf eure Familie zu konzentrieren. Wenn ihr entspannt seid, sind es die Kinder auch.
Und danach?
Ich bearbeite eure komplette Galerie – meist 30 bis 50 Bilder – und gestalte dazu ein paar künstlerische Doppelbelichtungen und einen kleinen Erinnerungsfilm. Ihr seht alles zuerst als Vorschau, in der Regel nach ein bis zwei Wochen, und entscheidet erst dann. Und ich verspreche euch: Auf diesen Bildern werdet ihr nicht die Wutanfälle sehen. Ihr werdet sehen, wie lebendig, wild und liebevoll eure Familie ist.
Sätze, die ich bei fast jedem Familienshooting höre
„Zuhause ist er nie so!“ Doch, ist er. Nur fällt es zu Hause nicht so auf, weil niemand mit einer Kamera danebensteht. Kinder sind bei Shootings genauso wie immer: neugierig, wild, müde, hungrig, verkuschelt. Genau deshalb sind die Bilder so echt.
„Tut mir so leid, das ist sonst nicht so.“ Bitte entschuldigt euch nie für eure Kinder. Ein Kind, das sich auf den Boden wirft, ist kein Problem für mich, sondern ein ganz normaler Dienstagnachmittag in einer Familie. Und ehrlich gesagt sind manche dieser Momente später auf den Bildern die lustigsten Erinnerungen.
„Schau doch mal zur Sabrina!“ Bitte nicht. Kinder müssen nicht in die Kamera schauen. Die schönsten Bilder entstehen, wenn sie euch anschauen, ein Blatt untersuchen oder lachend davonlaufen. Wenn ich einen Blick in die Kamera brauche, hole ich ihn mir. Meistens mit einem sehr albernen Geräusch.
„Jetzt reicht’s aber!“ Spätestens da machen wir eine Pause. Eine Brezel, ein Schluck Wasser, ein bisschen Herumtoben ohne Kamera. Danach sieht die Welt meistens ganz anders aus. Für alle.
Wo es Kindern am leichtesten fällt
Auch der Ort spielt eine Rolle. Kinder fühlen sich dort am wohlsten, wo sie sich bewegen dürfen: auf einer Wiese, im Wald, in einem Garten. In meinem Studio in Hollabrunn haben wir es gemütlich und warm, und gleich daneben steht im Garten meine große Trauerweide, unter der Kinder durch einen Vorhang aus Zweigen laufen können. Wenn ihr euch zu Hause am wohlsten fühlt, ist auch das möglich. Wichtig ist nur: ein Ort, an dem euer Kind Kind sein darf.

Fazit: Bring dein Kind so, wie es ist
Dein Kind muss nicht funktionieren. Es muss nicht still sitzen, nicht lächeln, nicht „brav“ sein. Es darf einfach Kind sein. Genau so will ich es fotografieren.
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